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Besondere Rechte von Geschädigten im Strafverfahren

Informationsrechte von Geschädigten

Über eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt kann eine geschädigte Person Einsicht in die Ermittlungsakten erlangen. Ein Akteneinsichtsrecht besteht auch bei Einstellung des Verfahrens, da der_die Verletzte in der Lage sein soll, rechtliche Schritte zu prüfen.

Welche zusätzlichen Rechte sind das konkret?

  • Wenn Geschädigte eine Auskunft oder Abschrift aus den Akten haben möchten, brauchen sie hierfür keine Gründe anzugeben.
  • Wenn Verletzte wissen möchten, ob der_die Beschuldigte oder Verurteilte schon oder noch inhaftiert ist, brauchen sie in der Regel kein berechtigtes Interesse an der Auskunft darzulegen.
  • Der Rechtsanwalt oder die Rechtsanwältin des Opfers hat das Recht, anwesend zu sein, wenn der Richter schon vor der Gerichtsverhandlung einen Beschuldigten oder Zeugen vernimmt.
  • Auf Antrag erhalten Betroffene die Anklageschrift.
  • Über den anberaumten Hauptverhandlungstermin werden Opfer ebenfalls auf Antrag informiert.
  • Sie und ihr Rechtsanwalt dürfen an der gesamten Gerichtsverhandlung teilnehmen.
  • Verletzte können Nebenkläger_in werden, wenn sie dies beantragen.


Als Nebenkläger_in haben sie folgende weitere Rechte:

  • Sie erhalten automatisch die Anklageschrift.
  • Sie und ihr Rechtsanwalt werden zum Hauptverhandlungstermin geladen.
  • Sie dürfen in der Gerichtsverhandlung Fragen und Anträge stellen.
  • Sie werden grundsätzlich im gleichen Umfang wie die Staatsanwaltschaft angehört und über Entscheidungen des Gerichts informiert.

  

In Strafverfahren gegen Täter_innen unter 18 Jahren ist die Nebenklage nur bei bestimmten schweren Straftaten zulässig.


Merkblatt über Rechte von Verletzten und Geschädigten in Strafverfahren
Download / Öffnen: Merkblatt "Opfer-Merkblatt_Sachsen-Anhalt" (PDF)

Die Möglichkeit der Nebenklage

Als Geschädigte_r einer Straftat können Sie im Strafverfahren, abgesehen von der Rolle als Zeug_in, auch eine aktivere Rolle einnehmen. Dies ist möglich, wenn Sie sich für eine Nebenklage entscheiden. Als Nebenkläger_in haben Sie umfangreiche Rechte im Verfahren und sind Verfahrensbeteiligte_r.

Als Nebenkläger_in haben Sie das Recht an der Hauptverhandlung schon vor Ihrer Zeugenvernehmung teilzunehmen. Sie bekommen einen eigenen Platz neben der Staatsanwaltschaft.

Ihr_e Nebenklagevertreter_in hat Akteneinsicht und kann während der Verhandlung Fragen an Angeklagte, Sachverständige oder Zeug_innen richten, Beweisanträge stellen und eine Schlusserklärung abgeben.

Wenn Sie mit dem Urteil nicht einverstanden sind, haben Sie als Nebenkläger_in die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

 

Nebenklageberechtigung

Die Nebenklage ist ein Instrument des Opferschutzes. Diese Möglichkeit eröffnet das Gesetz Opfern bestimmter Straftaten, unter anderem bei folgenden Delikten:

  • Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (z. B. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern)
  • Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit (z. B. Körperverletzung)
  • Straftaten gegen die persönliche Freiheit (zum Beispiel Menschenraub, Geiselnahme, Nachstellung)
  • Straftaten gegen das Leben (Mord und Totschlag) - in diesen Fällen dürfen Angehörige des Getöteten das Nebenklagerecht ausüben

 

In Ausnahmefällen kann das Gericht auch bei anderen Delikten (z.B. bei Beleidigung oder fahrlässiger Körperverletzung) eine Nebenklage genehmigen. Dafür muss dem Gericht aber dargelegt werden, dass die Nebenklage aus besonderen Gründen, insbesondere wegen der schweren Folgen der Tat, zur Wahrnehmung der Interessen der_des Betroffenen geboten erscheint.

 

Nebenklagevertretung

Als Nebenkläger_in können Sie eine Anwältin oder einen Anwalt als Nebenklagevertreter_in hinzuziehen, der_ die Sie über den gesamten Prozess vertreten und Ihre Interessen wahrnehmen kann.

 

Kosten der Nebenklagevertretung

Eine Nebenklagevertretung ist immer mit Kosten verbunden.

Werden die Täter_innen verurteilt, haben diese die Verfahrens- und Anwaltskosten zu tragen, also auch die der Nebenklagevertretung. Bei einem Freispruch müssen Sie unter Umständen die Kosten selbst tragen.

Die Beratungsstellen können Ihnen bei der Auswahl geeigneter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte behilflich sein und Sie über Finanzierungsmöglichkeiten der Nebenklage beraten.

 

Die Prozesskostenhilfe

Wenn Sie Prozesskostenhilfe beantragen und diese bewilligt wird, übernimmt der Staat auch im Falle eines Freispruchs die Kosten.

 

Beratungshilfen

Beim "Weißen Ring", einem bundesweiten Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, kann ein anwaltlicher Beratungscheck beantragt werden.

Beratungshilfe können Sie auch bei den Rechtsantragsstellen der Amtsgerichte beantragen. Dafür müssen Sie Ihre finanzielle Bedürftigkeit nachweisen.